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Archiv für Austausch

Schüleraustausch mit der Deutschen Schule Valparaíso in Chile

In der fünften Region Chiles, 200 km von der Hauptstadt Santiago entfernt, liegt Valparaíso an der Küste und ein kleines Stück daneben Viña del Mar, meine Wahlheimat für 3 Monate. Nach meinem Frankreichaufenthalt im Herbst letzten Jahres, habe ich dort in diesem Frühjahr in der Familie meines Austauschpartners gelebt und die Deutsche Schule Valparaíso besucht. Ziel war es, mein Spanisch alltagstauglich zu machen und das chilenische Schulsystem kennenzulernen. Das Georg-Büchner-Gymnasium organisiert schon seit ein paar Jahren diesen Austausch und ich habe die Gelegenheit gerne genutzt.

Schüleraustausch Chile: 2010-05-30 15-48-37

Woran merkt man, dass man in Chile ist? Wenn man am Flughafen von Taxifahrern genervt wird, die einen, wie lästige Fliegen, nicht in Frieden lassen. Wenn man von Autos und LKWs zugleich in der 50er-Zone mit 130 überholt wird. Wenn man das Wasser im Hotelzimmer zwar trinken kann, in der Hotelbroschüre allerdings für Leute von außerhalb empfohlen wird, nur Wasser aus Flaschen zu trinken. Wenn es ganz viele Regeln gibt, an die man sich unbedingt halten muss, es aber außer einem selbst niemand tut.

Sollten einem diese Umstände widerfahren, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man in Chile ist und es könnte sein, dass man sich, so wie ich damals, zufällig gerade auf dem Weg nach Viña del Mar befindet.

Schüleraustausch Chile: 2010-05-24 17-48-24

Chile, das durch Erdbeben und Minenunglücke zuletzt in den Nachrichten war, ist ein ziemlich langgestrecktes Land, genauer gesagt das längste Land der Welt, dafür allerdings nicht so breit. Dies macht sich vor allem in den sehr stark variierenden Klimazonen der insgesamt 15 Regionen bemerkbar. Man findet dort von der Atacamawüste bis hin zur Antarktis alles nur Erdenkliche. Chile hat ungefähr 16 Millionen Einwohner, wovon ein Drittel in der Hauptstadt Santiago wohnen, ist allerdings viermal so groß, wie Deutschland. Von den Erdbeben bekam ich zwar einige zu spüren, die sich von der Stärke meist um 6 auf der Richterskala bewegten, dies beunruhigte die Familie allerdings keineswegs und da nichts kaputt ging, gewöhnte auch ich mich schnell daran.

In der Schule hatte ich Spanisch vorher schon zweieinhalb Jahre lang gelernt, die Idee zusätzlich noch einen längeren Schüleraustausch nach Chile zu machen, gefiel mir von Anfang an und als endlich das Okay aus Chile kam, konnte es auch schon mit den notwendigen Impfungen losgehen.

Schüleraustausch Chile: 2010-04-02 18-46-30

Wieso einen Austausch machen? Ich habe mich dafür entschieden, weil ich finde, dass dies die beste Möglichkeit ist, die Sprache auf der einen Seite, aber auch die Menschen im Land auf der anderen Seite kennenzulernen. Als Austauschschüler habe ich zuvor immer nur gute Erfahrungen gemacht.

In den Osterferien ging es dann vom Frankfurter Flughafen los. Zuerst habe ich eine Woche auf der Osterinsel verbracht, die mit ihren monumentalen Steinstatuen (Moais), restaurierten Kultstätten und Vulkankratern lockt. Sie ist die westlichste Insel Chiles und liegt im polynesischen Kulturkreis, weswegen sich die Einwohner auch eher mit den polynesischen Ureinwohnern Rapanui, als mit den Chilenen verbunden fühlen. Die meisten Einwohner sprechen Spanisch, viele versuchen sich auch in Englisch, manche sprechen sogar Deutsch, weil sie teils eingewandert sind, teils deutsche Vorfahren haben. Das Klima ist ozeanisch und mild sowie relativ trocken. Nahezu das ganze Jahr über bewegen sich die Temperaturen zwischen 12 (nachts) und 30 Grad. Am Ostersonntag habe ich in der Iglesia Santa Cruz den Ostergottesdienst besucht, bei dem katholische und Rapanui-Tradition miteinander verschmelzen (Gesänge, Skulpturen). Administrativ gehört die Insel zur 3.000 km entfernten Región de Valparaíso, wohin meine Reise als nächstes ging.

Schüleraustausch Chile: 2010-04-08 18-52-47

Nach zwei Wochen Eingewöhnungszeit in Chile wurde ich schließlich an einem Sonntag Familienmitglied meiner Austauschfamilie und der Schulalltag begann. Ich hatte mir Viña del Mar ein bisschen kleiner und idyllischer vorgestellt. Aber letztendlich war der Großstadtdschungel eine gute Erholung von der Deutschen Vorstadtidylle in Bad Vilbel.

Schüleraustausch Chile: 2010-04-12 13-28-32

Die Schulen in Chile teilen sich auf in staatliche, halbprivate und private Colegios, wie die Deutsche Schule Valparaíso eines ist. Die Qualität der Bildung hängt somit wesentlich von der gewählten Schule und den dafür notwendigen finanziellen Mitteln ab, was sicherlich leider oft zum Nachteil der Schüler ist.

Mein Austauschpartner war in einer anderen Klasse als ich und hatte normalerweise wesentlich länger Schule, da für die deutschen Austauschschüler nur 6 Stunden Unterricht am Tag möglich sind. Dies ist zwar einerseits praktisch, um den Alltag außerhalb der Schule kennenzulernen, andererseits verhindert es aber auch weitgehend die Mitarbeit im Unterricht. Die Bibliothek bietet mit den zwei deutschen Bibliothekarinnen vor allem, aber nicht nur während der Klausuren der Chilenen Zuflucht und Internetzugang. Die Schule organisierte in einigen Wochen auch Aktivitäten wie Kochen, Ausflüge und Spanisch-Unterricht für die Deutschen, was eine willkommene Abwechslung war und den sonst doch recht langweiligen Schulalltag anreicherte.

Schüleraustausch Chile: 2010-05-12 12-02-49

Dem Unterricht von Anfang an zu folgen, war meist nur schwer möglich, da die Unterrichtspraktiken oft ein wenig abenteuerlich wirkten und nicht gerade zum Mitmachen verleiteten. Schulstoff habe ich zwar so aus Chile nicht viel mitnehmen können, dafür aber umso mehr Spanisch gelernt, was auch die hauptsächliche Motivation für den Austausch war.

Letztendlich denke ich, dass es sicher Gewöhnungssache ist, mit welchem System man besser klarkommt. Ich fühle mich im deutschen Schulsystem jedoch ganz wohl, da Referate und der mündliche Anteil am Unterricht meiner Meinung nach doch recht wichtig sind.

Schüleraustausch Chile: 2010-05-01 18-51-43

Auch wenn Chile als Entwicklungsland gilt, sind sie in einigen Bereichen auch schon relativ weit voran geschritten. Die Bürokratie ist sicher einer davon, so waren für meine Visumsverlängerung, neben dem üblichen Zettelziehen, Warten und 100 US-Dollar Bezahlen, auch noch jede Menge Papierkram notwendig, bei dem mich meine Gastfamilie zum Glück unterstützt hat.

Dem Nationalmotto „Por la razón o la fuerza“ („Durch Vernunft oder durch Stärke“) machen die Chilenen auch bei der Beschilderung der Straßen alle Ehre, allerdings eher mit der zweiten Eigenschaft. So findet man oft keine oder wenn, dann nur nutzlose Schilder und beginnt irgendwann am eigenen Verstand und der Straßenkarte zu zweifeln. Hier muss man standhaft bleiben und an den rechten Weg glauben, irgendwann kommt dann meistens auch wieder ein brauchbares Schild.

Schüleraustausch Chile: 2010-06-10 13-29-02

Neben Taxis und Colectivos (Sammeltaxis) fahren vor allem Micro-Busse durch die Stadt und bieten dabei zwar weder Komfort noch Fahrplan, dafür jedoch eine sehr günstige Möglichkeit in die Innenstadt zu kommen.

Ich denke, dass der Aufenthalt in Chile mir nicht nur dabei geholfen hat, mein Spanisch aufzupolieren, sondern auch kulturell sehr interessant war. Ich habe gute neue Freunde kennengelernt und halte seitdem Kontakt zu meiner Gastfamilie. Für Abenteuerlustige ist Chile auf jeden Fall eine Reise wert und dabei eine Erfahrung fürs Leben. Nachdem ich nach meinem Aufenthalt noch vier Wochen im Urlaub durch das Land gereist bin und jetzt in allen Regionen Chiles war, bleibt abzuwarten, ob mich meine Wege so bald wieder dorthin führen werden. Doch jetzt erwarte ich erst einmal den Gegenbesuch meines Austauschpartners, um ihm unser Land und unseren Alltag näherzubringen.

Schüleraustausch Chile: 2010-05-24 18-05-32

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Brigitte-Sauzay-Programm: Schüleraustausch mit Moulins

In der Mitte Frankreich, genauer gesagt der Auvergne befindet sich unsere Partnerstadt Moulins. Sie ist eine der größten Städte in der Umgebung und neben dem Partnerschaftsverein Bad Vilbel-Moulins verbinden uns seit einiger Zeit, die am Georg-Büchner-Gymnasium von engagierten Lehrern organisierten Austausche mit ihr.

Im Frühjahr dieses Jahres ging es dann das erste Mal, mit einem ganzen Bus voller Schülern, in Richtung Süd-Westen. Wir haben viel unternommen und auch ein bisschen in das französische Schulsystem hinein geschnuppert, nach 2 Wochen war der ganze Spaß dann aber leider auch schon wieder vorbei. Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, einen längeren Austausch zu machen, die endgültige Entscheidung fiel aber erst nach dem Gegenbesuch der Franzosen.

Wieso einen Austausch machen? Ich habe mich dafür entschieden, weil ich finde, dass dies die beste Möglichkeit ist, die Sprache auf der einen Seite, aber auch die Menschen im Land auf der anderen Seite kennenzulernen. Das ich nicht bei Franzosen, sondern gebürtigen Niederländern, wohnte, hat sich dabei nicht als Nachteil, sondern eher als Vorteil herausgestellt. Sie wohnen lange genug in Frankreich um die Leute und ihre Eigenheiten zu kennen, hinterfragen dabei aber trotzdem noch die teilweise merkwürdigen Eigenheiten.

Als Gastgeber habe ich eigentlich nur guten Erfahrungen gemacht. Ich fand es auch gut, dass mein Austauschpartner am Ende des Schuljahres nach Deutschland kam, sodass ich mehr Zeit für ihn hatte und er und die anderen Franzosen auch an unserer Berlinfahrt teilnehmen konnten.

Eine Woche nach den Sommerferien ging es dann in die 2. Runde. Vom Frankfurter Hauptbahnhof über Paris, diesmal nur noch zu Fünft, dafür mit umso mehr Gepäck, wobei ich wieder einmal merkte, dass sich die französische Metro nicht mit großen Koffern versteht. In Moulins angekommen, wurden wir von unseren Gastfamilien empfangen und mit dem Auto nach Hause gefahren. Das Autofahren ist nämlich eine der Hauptbeschäftigungen meiner Gastfamilie. Sie wohnen auf dem Land ca. 30 Kilometer von Moulins entfernt. Aufgrund dieser großen Entfernungen gehen viele Schüler dort aufs Internat.

Nach einer Woche Schonzeit fing die Schule dann auch in Frankreich wieder an. Alleine am ersten Tag bekamen wir insgesamt 20 Seiten Formulare, die es zu unterschreiben lassen galt. Der wohl gewöhnungsbedürftigste Unterschied war, dass ein normaler Schultag auch schon mal von 8 bis 18 Uhr dauern kann.

Das Schulsystem in Frankreich unterscheidet sich wesentlich vom Schulsystem in Deutschland. In Frankreich hat man die Wahl zwischen 3 Zweigen L (littéraire), ES (économique et sociale) und S (scientifique):

  • S: Mathematik, Physik-Chemie, SVT (Sciences de la vie et de la terre) à Biologie
  • ES: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaft
  • L: Literatur (in der Terminale), Naturwissenschaft

Mein Austauschpartner war in der 1L2, ich in der 1S2. Ich hatte bewusst Scientifique gewählt, da ich auch in Deutschland für die 11. Klasse eine Orientierung in Richtung Mathe/Physik gewählt hatte. Zusätzlich hatte ich noch folgende Fächer (teilweise als Optionen):

  • Allemand EURO: Histoire-Géo auf Deutsch
  • Englisch
  • Französisch
  • Histoire-Géo
  • Mathematik
  • Spanisch
  • Sport
  • TPE (Travaux personnels encadrés): Gruppenarbeit zu einem wählbaren Thema

Dies sollte sich für mich als praktisch erweisen, da ich den in Frankreich gelernten Schulstoff (zum Beispiel in Mathe) als ich zurück kam, sofort für den Unterricht in Deutschland einsetzen konnte.

Am Anfang war es für mich nicht leicht, dem Unterricht zu folgen und gleichzeitig die diktierten Texte aufzuschreiben, dies hat sich meiner Ansicht nach merklich verbessert, da ich diese Probleme am Ende nicht mehr hatte. Ich wurde von der Französischen Schule sehr gut betreut und konnte mich bei Fragen immer an das Vie scolaire wenden. Ich habe versucht, alle Arbeiten möglichst gut mitzuschreiben. Auch wenn dies nicht immer einfach war, da ich alleine lernen musste, denke ich, dass es keine schlechte Erfahrung war.

In Allemand EURO hatte ich die Möglichkeit, Beiträge über Deutschland einzubringen und die deutsche Politik zu erklären. Jedoch wurde mir auch bewusst, dass die anderen Deutschen und ich, im Vergleich zu den Franzosen, relativ wenig über den 1. Weltkrieg wussten.

Ich denke, dass die Schüler im französischen Schulsystem strukturierter als deutsche Schüler lernen. Sie bekommen die meisten Sachen von ihrem Lehrer ins Heft diktiert. Dies hat den Vorteil, dass sie alle den gleichen Wissensstand haben, allerdings meiner Ansicht nach den großen Nachteil, dass ihnen nur sehr wenige Freiheiten bleiben. In Deutschland werden oft Referate gehalten oder Gruppenarbeiten durchgeführt, um ein Thema gemeinsam (ohne den Lehrer) zu erarbeiten und anschließend zu präsentieren. In Frankreich bestimmt der Lehrer maßgeblich den Unterricht, wohingegen in Deutschland die Schüler durch mündliche Beteilung, die in Frankreich überhaupt keine Bedeutung hat, eine bessere Möglichkeit haben, sich selbst einzubringen.

Letztendlich denke ich, dass es Gewöhnungssache ist, mit welchem System man besser klarkommt. Da ich den mündlichen Anteil am Unterricht jedoch relativ wichtig finde und auch gerne Referate halte, bevorzuge ich das deutsche Schulsystem.

Es gab nach meiner Rückkehr im Unterricht nicht viele Gelegenheiten über meinen Auslandsaufenthalt zu berichten, da ich direkt nach den Herbstferien, in denen ich in Frankreich noch auf die Schule gegangen war, zurückkam. Ich denke aber auch nicht, dass dies unbedingt nötig gewesen wäre, da ich den Austausch primär für mich und nicht für die Schule gemacht habe.

Ich denke, dass mich der Aufenthalt in Frankreich nicht nur in der Französischen Sprache weitergebracht hat, sondern mir ganz nebenbei auch noch ein paar neue gute Freunde, allen voran meinen Austauschpartner, beschert hat. Alle meine Erwartungen an den Austausch sind erfüllt bzw. noch übertroffen worden und ich habe schon geplant, die letzte Woche der Weihnachtsferien in Hessen, in Frankreich zu verbringen, um meinen Austauschpartner, aber auch meine Austauschklasse (1S2) wiederzusehen.

Diesen Erfahrungsbericht habe ich im Rahmen des Brigitte-Sauzay-Programms verfasst, dass es Schülern der 8. bis 11. Klasse, die seit mindestens zwei Jahren Französisch lernen, ermöglicht, einen individuellen Schüleraustausch mit einer französischen Schule zu machen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischem Jugendwerk (DFJW) fördert das Programm seit 1989 den mittelfristigen individuellen Schüleraustausch zwischen Deutschland und Frankreich mit einem pauschalen Fahrtkostenzuschuss.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite des DFJW.

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